Bach am Balkan...

... war das bisher größte Projekt unseres Chors. Im Herbst 2014 haben wir eine  Konzertreise nach Albanien   unternommen. 

In der Haupstadt Tirana und fünf weiteren Städten haben wir Konzerte gegeben und Gottesdienste musikalisch gestaltet. Es ging darum, den albanischen Zuhörern Tra-ditionen der Kirchenmusik in Deutschland vorzustellen. So fanden einige Konzerte auch im Rahmen eines deutschen Kulturfestivals statt, das jedes Jahr in Albanien veranstaltet wird.

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Partnergemeinde in Albanien

Ostergottesdienst im Freien
Ostergottesdienst im Freien

Bei der Organisation der Konzertreise ko-operieren wir mit der katholischen Gemeinde St. Marien im südalbanischen Delvina. Die Pfarrei St. Laurentius unterhält schon seit zehn Jahren partnerschaftliche Beziehungen mit dieser albanischen Gemeinde, die von deutschen Franziskanerinnen gegründet wurde. 

Am Anfang stand die Unterstützung der von den Schwestern initiierten Sozialarbeit. Reudnitz hat über Jahre einen Beitrag für das Konvikt geleistet, in dem Mädchen aus weit entfernten Dörfern wohnen, die in Delvina zur Schule gehen.  Wichtig war und ist uns auch, dass die Christen aus beiden Ländern persönlich miteinander in Kontakt kommen. Schon fünfmal waren kleinere oder größere Gruppen aus Reudnitz zu Besuch in Delvina. Ein Höhepunkt war zweifellos die Jugendfahrt im Jahr 2010, die junge Leute aus beiden Gemeinden zusammen durch den ganzen Süden Albaniens und nach Tirana geführt hat. 2012 endlich, konnten wir zum ersten Mal Gäste aus Delvina in Leipzig empfangen.

Die Stadt Delvina

Delvina
Delvina

Die Kleinstadt Delvina liegt im äußersten Süden Albaniens. Bis in die Hauptstadt Tirana fährt man über fünf Stunden, zur nahen griechischen Grenze keine 45 Minuten. An den Stränden des Ionischen Meeres ist man binnen einer halben Stunde. Einst ein bedeutendes regionales Handelszentrum mit vielen Läden und einem großen Basar hat Delvina diese Funktion unter der Herrschaft der Kommunisten weitgehend verloren. Nach der politischen Wende von 1990 hat mehr als die Hälfte der Einwohner die Stadt auf der Suche nach Arbeit verlassen. Die verbliebenen 4200 Einwohner leben heute vom Kleinhandel und bäuerlicher Subsistenzwirtschaft. Der einzig verbliebene Betrieb von wirtschaftlicher Bedeutung ist ein Wasserkraftwerk am Fluss Bistrica. 

Moschee von Delvina
Moschee

Außer der albanischen Mehrheitsbevölkerung leben in Delvina und den umliegenden Gemeinden auch Griechen, Vlachen und Roma. Traditionell sind die meisten Delvinoten sunnitische Muslime oder Bektashi während die christliche Minderheit zur orthodoxen Kirche gehört. Vor zwölf Jahren gründeten deutsche Franziskanerinnen eine katholische Missionsgemeinde. Das Haus der Ordensschwestern befindet sich direkt gegenüber der Moschee von Delvina. Von Beginn an funktionierte die enge Nachbarschaft der beiden Religionsgemeinschaften ohne Probleme. Sie ist  von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägt, wie es für ganz Albanien typisch ist.

St. Marien

das Klostergebäude
das Kloster

Die junge katholische Gemeinde in Delvina entstand 2001. Franziskanerinnen aus Thuine im Emsland sind auf Veranlassung von Bischof Hil Kabashi in den äußersten Süden Albaniens gekommen, um sich der wenigen dort lebenden Katholiken anzunehmen. Am Anfang gehörten nur zwei Familien zur Gemeinde. Mittlerweile ist sie in der Stadt auf über 50 Mitglieder angewachsen. In der zugehörigen Außenstation Borsh sind es mehr als 300. Letztere sind aus den traditionell katholischen Gebieten im Norden des Landes zugewandert. Vor allem die Leute in Borsh zählen selbst im nicht gerade wohlhabenden Albanien zu den Armen. Sie haben kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu höherer Schulbildung; viele haben keine richtige Arbeit und schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch. Vor der europäischen Finanzkrise waren viele Albaner als Saisonarbeiter in Griechenland tätig. Diese Möglichkeit des Broterwerbs gibt es jetzt kaum noch.

Schwestern Relindis und Angela
Schwestern Relindis und Angela

Zurzeit arbeiten fünf Schwestern in Delvina, vier aus Deutschland und eine aus den USA. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Glaubensvermittlung. Sie bereiten Kinder und Erwachsene auf die Taufe, die Erstkommunion und die Firmung vor. Wenn – wie so oft – kein Priester da ist, halten sie auch den Sonntagsgottesdienst.

Aufgrund der großen Not im ländlichen Albanien kam bald schon soziale Arbeit als Schwerpunkt hinzu. In Borsh und den umliegenden Dörfern fehlt es seit langem an Lehrern. Niemand möchte in diesen abgelegenen Orten für einen Monatslohn von kaum 250 Euro unterrichten. Deshalb gibt es in der Gegend kein Gymnasium mehr. Wer Abitur machen will, muss ins über 50 Kilometer entfernte Delvina ziehen, zu teuer für die meisten Familien. Deshalb richteten die Schwestern im Kloster ein Konvikt für Mädchen aus den Dörfern ein, damit diese das städtische Gymnasium besuchen können. Nach einem Anbau im Jahr 2010 ist jetzt Platz für bis zu 16 Schülerinnen und die Bedingungen haben sich sehr verbessert. Außer den Schlafräumen gibt es ein Studierzimmer und einen Speisesaal.

Kapelle
Kapelle

Im Zuge der Erweiterung konnte 2010 auch eine neue Kapelle gebaut werden. Sie ist dem hl. Josef geweiht. Vorher hatten die Gemeindegottesdienste im Flur des Konvents stattfinden müssen, weil sonst nirgendwo Platz für über 40 Gläubige war. 

Die europäische Wirtschaftskrise wirkt sich seit einigen Jahren auch in Albanien negativ aus. Die Arbeitslosigkeit steigt. Sozialhilfe gibt es kaum. Das Gesundheitswesen liegt darnieder. Auch der albanische Staatshaushalt ist in Unordnung. Da fallen die Rentenzahlungen schon mal aus. In vielen Familien ist selbst das Geld für Essen knapp. Deshalb hat Schwester Angela mit einigen Helfern begonnen, eine Gemeinde-Caritas aufzubauen. Sie betreuen pflegebedürftige Senioren, helfen den ärmsten Familien mit Lebensmitteln und manchmal übernehmen die Ordensschwestern die unbezahlte Stromrechnung. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage ist die Armenhilfe mittlerweile eine der größten und auch schwierigsten Aufgaben in unserer Partnergemeinde geworden.